Ohne Hype ganz groß 1. August 2007
Veröffentlicht von the rockSR in : Allgemein, Xbox 360 , trackback
Noch nicht erschienene Spiele erhalten oft außerordentlichen Ruhm. Sie füllen jeden Monat regelmäßig ganze Zeitschriften oder halten als Titelthema her. Denn schließlich ist nichts so aufregend, geheimnisvoll und interessant wie das Unbekannte. Mit Spekulationen und ohne echtes Wissen über Gameplay und Technik des Spiels füllt man Seite um Seite. In Internetforen potenziert sich die ganze Aufmerksamkeit und aus jedem bekannt werdendem Detail schließt man auf eine Revolution des Genres. Viele Titel verdienen diese Aufmerksamkeit ohne Zweifel, andere Spiele werden aber maßlos überschätzt - dann gibt es noch die wenigen Spiele, die diesen Hype gar nicht nötig haben. Sie brauchen keine Aufmerksamkeit vor dem Release, weil sie einfach großartig sind: ohne viel Werbeaufwand, ohne Bekanntheit, ganz im Stillen. Starbreeze ist ein Studio, das Spiele der letzten Kategorie entwickelt. Mit dem Shooter "Riddick: Escape from Butcher Bay" landete der Entwickler aus Schweden im Jahr 2004 einen echten Überraschungserfolg. Eine so hohe Konzentration an Spielspaß habe ich bis heute in kaum einem anderen Ego-Shooter erlebt. Jede Minute ist einzigartig und immer wieder überraschen die Entwickler mit neuen Ideen. Keine Lückenfüller, keine langweiligen Levels, keine Fehler im Design sondern der pure Spielspaß erwartete den Spieler. Unkonventionelle Nahkämpfe und eine abwechslungsreiches Leveldesign beeindrucken im ganzen Spiel. Beim Release im Sommer 2004 überzeugte das Spiel die Fachpresse. Zwei Monate vor dem Erscheinen wusste wohl niemand von der Existenz eines solchen Titels. Mit The Darkness beweist Starbreeze erneut, dass sie keine mediale Aufmerksamkeit und keinen riesigen Hype benötigen um einmalige Spiele zu entwickeln. Bis vor einem Monat kannte ich nur den Titel des Spiels, ohne zu wissen was sich dahinter verbarg. Heute kenne ich das herausragende Videospiele, das hinter dem Titel steckt. Wer Riddick mochte, kommt an The Darkness nicht vorbei. Obwohl die Spiele kaum miteinander vergleichbar sind, ähneln sie sich sehr. Die unkonventionellen Ideen, die hinter beiden Titeln stecken, lassen sie aus der Masse der Shooter herausragen. Dabei ist The Darkness eher Adventure aus Ego-Perpektive als ein klassischer Shooter. Die Grundlage des originellen Designs besteht in der Möglichkeit "die Finsternis" zu kontrollieren. Klassische Shooter Elemente treten wegen dieser Fähigkeit in den Hintergrund. Der Gebrauch von Schusswaffen ist eine nette Beigabe im Spiel - notwendig ist sie kaum. Genau so wenig erwarten euch Feuergefechte wie in Call of Duty. Die Entwickler möchten dem Spieler nicht mit Dingen langweilen, die er schon aus Hunderten Spielen kennt. Stattdessen versucht Starbreeze mit neuen Ideen zu beeindrucken. Dazu trägt auch die cineastische Präsentation bei, wodurch der Spieler eine sehr dichte emotionale Nähe zu den Charakteren im Spiel aufbaut. Wobei emotionale Nähe nicht zwingend Sympathie bedeutet. Viel mehr entwickelt man Verständnis für das Handeln Jackies. In kaum einem anderem Shooter war ich so emotional an den Protagonisten gebunden. Starbreeze versteht es auch mit kleinen Gesten viel auszudrücken: Jackie sucht zu Beginn des Spiels seine Freundin Jenny auf. Man wird lieb empfangen und pustet die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen aus. Nachdem Jenny Jackie die Nummer eines Bekannten gegeben hat, kann man diesen Anrufen. Vorher kann man sich aber auch zu Jenny auf das Sofa setzen und TV schauen, schließlich würde sie sich freuen in ihrer neuen Wohnung Gesellschaft zu haben. Am besten man wartet ab bis die junge Dame an der Schulter müde wird und einschläft. Dann kann man vorsichtig aufstehen und zum Telefon gehen und den Anruf erledigen. Es sind Szenen wie solche, die im Gedächtnis des Spielers bleiben. The Darkness bietet einiger dieser Momente. Man würde das Fehlen dieser Szenen nicht bemerken, weil man sie nicht in einem Videospiel erwartet. Doch wenn diese Elemente dann unerwartet im Spiel erscheinen, wirken sie umso einprägsamer. Die cineastischen Abschnitte verschmelzen perfekt mit dem Spiel und wirken nicht aufgesetzt. Diese fließenden Übergänge von klassischen Videospielelementen in eine interaktive cineastischen Präsentation findet man zu selten in heutigen Videospielen. Lange Zwischensequenzen wechseln sich stattdessen mit Spielabschnitten ab. Daraus resultieren ständige Unterbrechungen des Spielflusses, wodurch die Atmosphäre des Spiels getrübt wird. Starbreeze demonstriert mit The Darkness eindrucksvoll, dass eine spannende Geschichte und eine opulente filmreife Präsentation in einem Videospiel nicht zu Lasten des Gameplays gehen müssen und perfekt miteinander verbunden werden können. Auch Abseits dieser rollenspielähnlichen Momente begeistert The Darkness. Nie sehnte ich mich mehr danach auf den nächsten Gegner zu treffen, wie in diesem Spiel. Wo andere Spiele nach dem zweiten Feuergefecht langweilig werden, fängt bei The Darkness der Spaß an. Die verschiedenen Möglichkeiten die Finsternis zu nutzen um die Gegner zu bezwingen, begeistern vom ersten bis zum letzten kleinen Kampf. Wer Spiele abseits des Weltkriegs und Tom Clancy Einheitsbreis mag, sollte einen Blick auf The Darkness werfen. Denn in dem Spiel gibt es viele neue Spielelemente, die man so vorher nicht kannte. Ein Extra-Lob verdienen die Entwickler von Starbreeze für die wohl mit authentischste Grafik, die es je in einem Videospiel gab. Die Beleuchtung der Levels ist atmosphärisch und realistisch zu gleich. An Stellen wo andere Titel von Bump-Mapping und Effekten überwuchert sind, nutzt The Darkness sämtlich Grafikeffekte sehr sparsam. Auf diese Weise gelingt es einen einzigartigen Grafikstil zu entwerfen, der trotz seiner Realitätsnähe auch die surrealen Elemente des Spiels hervorragend abbildet. Glaubt man den Wertungen zahlreicher Print- und Onlinemagazine erwartet man von The Darkness wohl nichts herausragendes. Ein recht niedrigen Wertungsschnitt von nur 83% (ich glaubte es grad selber nicht als ich es sah) hat der Titel bei gamerankings.com erhalten. Wahrscheinlich erscheint vielen Testern The Darkness zu kurz. Dazu ist das Zielen mit der Waffe schwammig, Feuergefechte langweilig und die Intelligenz der Gegner unterer Durchschnitt. Doch geht es darum bei The Darkness nicht. Es ist ein Spiel bei dem, so scheint es mir, jedes Designelement bis ins Detail geplant wurde. Es gibt im ganzen Spiel keine Längen sondern ausschließlich einprägsame Spielabschnitte. Die im Ganzen eine unglaublich dichte Atmosphäre aufbauen. Allein deswegen lohnt sich ein Blick auf den Titel. The Darkness ist ein echtes Erlebnis. Auch ohne Hype, "Hitwertungen" und große Namen entwickelte Starbreeze ein herausragendes Spiel dieser Konsolengeneration, welches für mich zu den besten überhaupt zählt ohne viel Werbeaufwand, ohne Bekanntheit, ganz im Stillen. Das sollte eigentlich gar nicht so lang werden! Wer an einem Einblick in das Gameplay von The Darkness interessiert ist, schaut am besten mal bei GameTrailers vorbei.
Kommentare»
Guter Bericht
Aber das Spiel war doch schon lange vor den ersten Vids vor ca. 3 monaten im Gespräch 0.o
Aber wie gesagt echt guter Betricht den das Spiel absolut verdient trotz MP Schwächen und teils übertriebener Brutalität (uncut)