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Doping? Na, und! 21. Juli 2007

Veröffentlicht von the rockSR in : Allgemein , trackback

Tour

Was für eine lächerlich, heuchlerisch, verlogene Veranstaltung die Tour de France ist, stellt sich erst dieser Tage wieder in aller Deutlichkeit heraus.

Da meldete der Mann in Gelb Michael Rasmussen in der Vorbereitung seinen Aufenthaltsort nicht der UCI. Dies geschah dreimal, prompt folgte die Suspendierung vom dänischen Verband. Er darf daher nicht an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Für die wichtigsten Events (WM, Olympia) hat der Däne keinen Verband mehr für den er fahren darf. Er ignorierte schließlich Vorschriften des Weltverbandes.

Für die Frankreichrundfahrt spielt das keine Rolle. Jedes Jahr versprechen die Tourveranstalter die härtesten Kontrollen und besten Verfahren gegen Doping zu nutzen. Tatsächlich offenbart sich momentan, dass die Tourleitung überhaupt nicht an einem einwandfreien sauberen Sport interessiert ist. Da wird ein Fahrer von seinem Verband suspendiert. Na, und? Für den dänischen Verband ist dieses Verhalten ein deutliches Indiz. Na, und? „Es gibt nicht ausreichend Gründe, die Sanktionen rechtfertigen würden” sagte der Tourdirektor.“ Natürlich, klar! Es gibt ja tatsächlich keinen Grund dafür, in einer Sportart, die so unglaublich dopingverseucht ist, Konsequenz im Umgang mit zwielichtigen Fahrern zu zeigen.

Die Tour befindet sich in einer Glaubwürdigkeitskrise. Die Tourleitung ignoriert dies und zeigt absolut NICHTS der angekündigten Härte gegen Doping. Um die Glaubwürdigkeit des Sports zu retten, müssten doch die kleinsten Indizien zum Sperren eines Fahrers führen: keine Kompromisse also! Da verstieß nun ein Fahrer mehrfach gegen Auflagen der UCI. Sofortiger Ausschluss des Fahrers im Kampf gegen Doping sollte die Reaktion lauten – stattdessen: weiter schweigen.

Warum sollten die Tourveranstalter auch plötzlich hart gegen Doping vorgehen und eine konsequente Linie im Anti-Doping-Kampf durchziehen? Taten sie doch nie! Schließlich fahren mit Valverde und dem dieses Jahr überraschend gut fahrenden Contrador mindestens zwei Männer aus der Fuentesliste mit. Letztes Jahr wurden Ullrich und Basso (u.a) von ihren Teams genau deswegen suspendiert. Dieses Jahr kann man ja darüber hinwegsehen.

Das Peloton macht es ja schließlich vor. Da fährt ein Fahrer in ihren Reihen, der gegen den sagenumwobenen „Ehrenkodex“ verstößt. Saubere Fahrer müsste dies doch rasend wütend machen. Solche Fahrer beschmutzen doch die Glaubwürdigkeit ihres Sportes, ihres Berufes. Wegen diesen Fahrern hat der Radsport ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit. Protest, Startboykott oder Streik – die Mittel der Öffentlichkeit zu sagen „Wir wollen einen sauberen Sport“ sind unbegrenzt. Warum lasst ihr einen solchen Fahrer unter euch? Stattdessen: weiter schweigen.

Es gäbe kaum bessere Möglichkeiten die Sauberkeit des Sports zu demonstrieren, wie bei dieser Tour. Der aktuelle Fall Rasmussen wäre dafür ideal geeignet. Aber den Mann in Gelb jetzt sperren? Stürzt das die Tour nicht in eine tiefere Krise? Definitv! Eine Krise aus der sie sich nicht mehr selber befreien kann. Denn wenn nicht nur Fahrer, Teams und Ärzte das Doping einfach hinnehmen, sondern auch die Veranstaltungsleiter keine Konsequenz um Umgang mit Doping zeigen, dann kann sich der Sport tatsächlich nicht mehr selber säubern. Tourdirektor Prudhomm demonstriert eindrucksvoll, wie man Doping im Radsport fördert. Schade um diesen wirklich, wirklich spannenden Sport.

Fun Fact: Würde man Rasmussen suspendieren, wäre der nächste Mann in Gelb Valverde. Ja, genau der! Der Fahrer, der wie Jaksche, Basso und Ullrich auf der Fueantesliste stand.

Update: Leistungsexplosion von Rasmussen beim Zeitfahren. Die letzten Jahre verlor er dort viele Minuten im Gesamtklassment. Dieses Jahr verteidigt er seinen Vorsprung und behält das Gelbe Trikot. Für einige Trainingskontrollen stand er in letzter Zeit öfters nicht zur Verfügung. Rasmussen bekommt nun das Trikot bei der Siegerehrung übergezogen. Die Zuschauer klatschen. Ich lass das einfach mal so stehen und schüttel den Kopf.

Update 2: Leider stell ich gerade fest, dass auch viele sogenannte Radsportfans das Dopingproblem nicht ernst nehmen. In Foren regen sich viele User über die heutige kritische Berichterstattung der Eurosportkommentatoren auf, die heftig Kritik an Rasmussen und dessen Verhalten (und dessen merkwürdiger Leistung) übten. Vom armen Rasmussen sprechen Fans, er habe doch nichts falsch gemacht. Andere Fans sehen dahinter eine Kampagne der Medien. Man solle doch den deutschen Radsport anschauen, dort ist das Dopingproblem viel größer. Besondere Fans des Sports belehren die Ahnungslosen sogar. Wir sollten uns nicht von Medien die Meinung diktieren lassen und nicht alles nachplappern, was die uns vorgeben. Rasmussen wurde nie positiv getestet!

Aber man muss klarstellen: Natürlich überwiegt die Zahl der kritischen Fans deutlich! Solche Unbelehrbaren gibt es aber wohl immer. Mir fehlen bei sowas die Worte…

Die Eurosport-Kommentatoren hatten zur Leistung von Rasmussen ein tolles Zitat eines ehemaligen Radprofis.

“Wenn eine Leistung zu gut ist um wahr zu sein, ist sie auch nicht wahr”

Trotz aller Kritik vefolgt der Autor, wie jedes Jahr auch in diesem Jahr, die Tour de France. Er findet den Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen lächerlich. Die Übertragung einer solchen Veranstaltung überaupt erst zu beginnen (als GEBÜHRENFINANZIRTER Sender), ist in seinen Augen verantwortlungslos. Auch wenn er sich jedes Jahr vornimmt, nicht mehr einzuschalten; empfindet er die Veranstaltung aber zunehmend als immer lustiger werdenden Spaß.

Kommentare»

1. ThmZed - 24. Juli 2007

Schwere Vorwürfe - Na Und?

Ein guter kritischer Beitrag zur derzeitigen Tour de France, der Licht und Schatten wirft.
Leider auch Schatten auf Fahrer die angeblich sauber sind. Selbst ich schreibe „angeblich“
da sich niemand mehr sicher sein kann wer denn dopt und wer nicht! Es ist interessant zu verfolgen
wie sich ein Däne, der des Verbandes verwiesen wurde und ein Kronzeuge
der „Operacion Puerto”, welcher aus der Liste gestrichen wurde, um das „gelbe Trikot“ kämpfen. Sinnlos zu erwähnen mit welcher körperlichen Anstrengung dies verbunden ist.
Seltsam jedoch das diese Fahrer nur zur Frankreich-Schleife solche Leistungen abrufen?
Aber finde ich die Übertragung dieser Veranstaltung, mit oder ohne öffentlich rechtliche Sender, keineswegs spaßig oder lustig! Der Ausstieg von ARD & ZDF ist eine Farce.
Es sollten nicht alle Fahrer für einen Fehltritt eines einzelnen bestraft werden. Aber gibt es wirklich noch einzelne? Ist der schöne Radsport wieder zu reinigen? Es sollten alle, wirklich alle daran arbeiten, aber wie schon im Bericht erwähnt scheinen einige Funktionäre und Veranstalter gar kein Interesse daran zu haben. Im Nebel der Ignoranz lassen sich leichter
Probleme umgehen als bei einer klaren, sauberen Linie!!! Also wird man auch zu diesen Vorwürfen nur antworten: „Na Und???“

Guter Bericht …Weiter so!

2. the rockSR - 25. Juli 2007

Danke für den Kommentar!
Den Ausstieg der Öffentlich-Rechtlichen betrachte ich ähnlich. Wenn sie überhaupt erst beginnen die Tour in diesem Jahr zu übertragen, dann sollten sie auch konsequent sein. Ein Ausstieg mittendrin ist dies meiner Meinung nach keinesfalls. Wegen EINEM Fahrer werden dadurch alle unter Generalverdacht gestellt. Selbst wenn nur 10 saubere Fahrer bei der diesjähirgen Tour mitfahren ist dies denen gegenüber ungerecht - für die Dummheit Einzelner werden sie bestraft. Warum die Tour nicht weiter übertragen und sämtliche Doping-Kandidaten ignorieren? Einfach einen Kommentar laufen lassen, der Rasmussen und Co einfach ignoriert.

Die aktuelle Situation der Tour ist aber auch kaum noch eine Übertragung wert. Der herausragende Mann dieser Tour hat 2 nationale und 2 internationale Dopingtests verpasst. Für den normalen Menschen lautet die Summe davon vier. Nur wohl für Juristen nicht. Mir geht es nicht um die hohe Leistung Rasmussens bei der diesjährigen Tour - wenn man ihm nichts nachweisen könnte: OK kein Problem (wenn auch merkwürdig). Aber der potenzielle Sieger der diesjähirgen Tour HAT nunmal Vorgaben nicht erfüllt. Jetzt gewinnt so einer tatsächlich die Rundfahrt.
Mit dem Rückzug (bzw. zum Rückzug gezwungen werden) von Astana ist dieses Verhalten der Tourleitung nicht vereinbar. Da wird ein Andreas Klöden, dem bis heute nichts nachgewiesen wurde (obwohl ich sicher bin, dass er aufgrund seiner überragenden Leistung der letzten Jahre, auch Medikamente zur Hife nahm), einfach ausgeschlossen. Wie kann das denn sein? Gegen Rasmussen und Contador liegen Beweise vor - dies Fahrer sind nachweislich äußerst dubios und zwielichtig. Gegenüber den Manschaften dieser Fahrer wird kein Druck ausgeübt Nach dem Motto: Lasst sie drin, wir können ohnehin nix machen! Aber das komplette (sicher nicht unschudlige) Astana-Team wird vollständig zum Rückzug aufgefordert AUF VERDACHT????

Die Linie der Tourveranstalter ist sooo inkonsequent! Da sprechen die auf der Pressekonferenz am Dienstag von gescheiterten Maßnahmen vor der Tour. Hey, euer Verhalten JETZT in diesem Augenblick ist falsch!

Zum Beginn der heutigen Etappe streikten die Fahrer eine Minute lang. Während Rasmussen und Contador losfuhren, warteten französische und deutsche Teams am Start. Ein Franzose äußerte sich auch zum Fall Rasmussen und fragt sich ernsthaft wieso der noch mitfahren darf. Aber solche kritischen Fahrer sind in der Unterzahl, Winokurow nahm Rasmussen sogar in Schutz “Man kann ihm doch nicht nachweisen, finde es gut, dass er die Tour weiterfährt”.

Ich hoffe, dass Gerolsteiner und co. einfach die letzte Etappe nicht mitfahren oder eine andere EFFEKTIVE Demonstration zeigen. Aber eine Verweigerung der letzten Etappe wär doch das beste, wenn solch seltsame Kandidaten dann das Podium einnehmen. BITTE lasst euch etwas einfallen

Das musste mal wieder alles raus! Nur ein bisschen Brainstorming um wieder zur inneren Ruhe zu kommen…. ;-)


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